KI verändert unsere Arbeitswelt rasant – und gefühlt jeden Tag kommt ein neues Tool, eine neue Möglichkeit oder eine neue Erkenntnis dazu. Und dennoch ist mir eine Aussage des Gründers von Leaders of AI, Dominic von Proeck, besonders in Erinnerung: „Wer gut Menschen führen kann, kann auch KI gut führen“.
Im ersten Moment klingt das vielleicht überraschend. Denn wenn wir über KI sprechen, sprechen wir häufig über Technologie, Tools und Prompts. Doch bei genauerem Hinsehen brauchen wir für einen guten Umgang mit KI erstaunlich viele Fähigkeiten, die wir auch für gute Führung benötigen: klar kommunizieren, gutes Feedback geben, kritisch hinterfragen, Zusammenhänge erkennen und Menschen entwickeln.
Oder anders gesagt: Je technischer unsere Arbeitswelt wird, desto wichtiger werden unsere menschlichen Fähigkeiten.
Auch aktuelle Forschung unterstreicht diese Bedeutung. Technisches Know-how ist wichtig. Aber spezialisierte Fähigkeiten bauen auf grundlegenden Kompetenzen auf – darunter Kommunikation, kritisches Denken, Führung und Teamarbeit. Diese Soft Skills bilden gewissermaßen den Stamm eines Baumes, aus dem weitere, spezialisierte Fähigkeiten wachsen können.
KI macht gute Führung nicht überflüssig. Im Gegenteil: Sie macht viele der Fähigkeiten, die gute Führung schon immer ausgezeichnet haben, noch wertvoller.
Deshalb lohnt es sich, gerade beim Thema KI nicht nur zu fragen: Welche neuen technischen Fähigkeiten muss ich lernen? Sondern auch: Welche meiner menschlichen Fähigkeiten sollte ich jetzt besonders stärken?
Hier 3 Impulse dazu:
1. Klar kommunizieren – mit Menschen UND mit KI
Gute Ergebnisse beginnen mit guter Kommunikation. Das gilt im Gespräch mit Mitarbeitenden genauso wie beim Arbeiten mit KI. Was ist mein Ziel? Was erwarte ich konkret? Welche Informationen braucht mein Gegenüber? Und woran erkenne ich ein gutes Ergebnis?Je klarer Sie darin sind, desto besser wird in der Regel auch das Resultat. Nutzen Sie deshalb die Arbeit mit KI ruhig einmal als Spiegel für Ihre eigene Kommunikation: Formuliere ich eigentlich immer so klar, wie ich glaube?
2. Feedback geben und nachsteuern
Gute Führung bedeutet nicht, einmal einen Auftrag zu geben und anschließend das perfekte Ergebnis zu erwarten. Führungskräfte geben Feedback, konkretisieren, stellen Fragen und entwickeln gemeinsam weiter. Ähnlich funktioniert es mit KI. Der erste Output muss nicht der beste sein. Entscheidend ist, wie gut wir bewerten können, was bereits passt, was fehlt und was verändert werden sollte. Trainieren Sie deshalb bewusst Ihr Feedback: Was genau ist gut? Was genau soll anders werden? Und wie kann ich meine Erwartung so formulieren, dass mein Gegenüber damit weiterarbeiten kann? Eine Fähigkeit, von der natürlich auch Ihre Mitarbeitenden profitieren.
3. Kritisch bleiben statt blind vertrauen
KI kann uns in beeindruckender Geschwindigkeit Antworten liefern. Doch Geschwindigkeit ist nicht gleich Qualität – und eine überzeugend klingende Antwort ist noch lange keine richtige Antwort. Deshalb wird kritisches Denken aus meiner Sicht zu einer der wichtigsten Zukunftskompetenzen. Hinterfragen Sie Ergebnisse. Prüfen Sie Annahmen. Wechseln Sie bewusst die Perspektive. Fragen Sie sich zum Beispiel: Ist das wirklich plausibel? Was könnte hier fehlen? Welche andere Sichtweise gibt es? Und würde ich auf Basis dieser Information tatsächlich eine Entscheidung treffen?
Genau diese Haltung brauchen wir auch in guter Führung: nicht alles ungeprüft übernehmen, sondern neugierig bleiben, Fragen stellen und sich ein eigenes Urteil bilden.
KI wird uns sicherlich noch viele neue Möglichkeiten eröffnen. Umso wichtiger ist es, neben all den neuen technologischen Fähigkeiten das weiterzuentwickeln, was uns Menschen ausmacht.
Aus meiner Sicht liegt genau darin eine der spannendsten Führungsaufgaben unserer Zeit: Künstliche Intelligenz nutzen – und gleichzeitig die menschliche Intelligenz stärken.
