Es hat mich tatsächlich einmal einen Job gekostet, dass ich das politische Parkett in einem Unternehmen nicht ausreichend im Blick hatte. Für mich stand die Sache im Vordergrund: eine gute Lösung finden und gemeinsam etwas voranbringen. Dass im Hintergrund andere Interessen und politische Rahmenbedingungen eine Rolle spielten, hatte ich unterschätzt.
Eine Erfahrung, die mich bis heute prägt. Denn gerade in größeren Unternehmen gehören politische Spiele leider immer noch zum Alltag. Wer setzt sich durch? Wer hat recht? Wer sichert seinen Einfluss?
Und oft denke ich: Was wäre eigentlich möglich, wenn wir weniger Energie ins Gegeneinander und mehr ins Miteinander stecken würden?
Das wünsche ich mir übrigens nicht nur in Unternehmen, sondern auch in der Politik und in unserem persönlichen Alltag. Weniger darum kämpfen, wer am Ende recht behält – und mehr darum ringen, gemeinsam gute Lösungen zu finden. Dabei bedeutet für mich Miteinander nicht, immer nachzugeben oder sich ausnutzen zu lassen. Es bedeutet, neben den eigenen Interessen auch den anderen Menschen im Blick zu behalten. Nicht immer „Ich first“, sondern häufiger „Wir gemeinsam“.
Und grade als Führungskraft können Sie diese Haltung fördern. Mit welchen 3 Impulsen, lesen Sie hier:
1. Fragen Sie häufiger: „Was braucht mein Gegenüber?“
Gerade wenn wir unterschiedlicher Meinung sind, kreisen die Gedanken schnell um die eigene Position. Warum habe ich recht? Wie kann ich mich durchsetzen? Versuchen Sie stattdessen bewusst, die Perspektive zu wechseln: Was bewegt mein Gegenüber? Welches Bedürfnis steckt dahinter? Das heißt nicht, die eigene Position aufzugeben. Aber es verändert die Qualität des Gesprächs.
2. Machen Sie aus „Wer hat recht?“ ein „Was hilft uns weiter?“
Recht zu haben und eine gute gemeinsame Lösung zu finden, sind nicht immer dasselbe. Gerade in Teams kann die Frage „Was hilft uns jetzt gemeinsam weiter?“ erstaunlich viel verändern. Sie nimmt den Fokus von persönlichen Positionen und lenkt ihn wieder auf die Sache und das gemeinsame Ziel.
3. Leben Sie Miteinander sichtbar vor
Als Führungskraft sind Sie Vorbild. Teilen Sie Informationen. Geben Sie anderen Anerkennung für ihre Ideen. Unterstützen Sie Menschen, ohne sofort zu fragen, was Sie davon haben. Und greifen Sie ein, wenn politische Spiele und Gegeneinander die Zusammenarbeit belasten. Denn Kultur entsteht nicht durch Werte auf einer PowerPoint-Folie, sondern durch das Verhalten, das wir jeden Tag zeigen und zulassen.
Vielleicht wäre unsere Arbeitswelt – und auch unser Alltag – ein kleines bisschen besser, wenn wir uns häufiger fragen würden: Möchte ich diese Situation gerade gewinnen – oder möchte ich etwas Gemeinsames gewinnen?
Ich für meinen Teil wünsche mir mehr Miteinander. Auch wenn das bedeutet, das eigene Ego manchmal hintenanzustellen. Aus meiner Sicht lohnt es sich.
